Nachdem ich vor kurzem eine Einladung erhalten habe, nahm ich mir nun einmal die Zeit, um einen kurzen Blick auf Typekit – einem Online Service für die Verwendung alternativer Fonts auf Webseiten – zu werfen und möchte meine Beobachtungen hier kurz festhalten.
Eines ist klar: Typekit bringt Abwechselung in die einseitige Font-Welt des Internets – allerdings längst nicht immer im positiven Sinne, leider.
Das Rendering-Problem
Ähnlich wie bei bisherigen Webfont-Tests anderer Personen, musste auch ich feststellen, dass die Qualität der Fonts sehr stark von der Schriftglättung des verwendeten Betriebssystems abhängig ist. Unter Mac OS X kommt nahezu jede der 69 verfügbaren Fonts meines Trial-Accounts sehr gut zur Geltung. Es bereitet regelrecht Freude, Webseiten auf diese Art mit ansprechenden Fonts aufzuwerten.

Leider hält die Freude nicht lange an: Erscheinen die Schriften unter Windows mit aktivem ClearType auf den ersten Blick noch relativ ansehnlich, so fällt jedoch schnell auf, dass das Schriftbild sehr ungleichmäßig ist. Die Stärke einzelner Zeichen varriert bei größeren Schriftgraden gelegentlich, bei kleineren Schriftgraden werden die Fonts dagegen oftmals sehr, sehr dünn, sodass sie aufgrund mangelnden Kontrastes nur schwer lesbar sind. Zwischen einem normalen und fetten Stil lässt sich bei einigen Fonts kaum ein Unterschied feststellen, Kursive werden – vor allem bei kleinen Schriftgraden – etwas zerstückelt. Aber trotz der vielen negativen Worte: es geht! Auch unter Windows mit ClearType würde ich gerne ein paar nette Akzente setzen wollen, bespielsweise für Überschriften – für den Fließtext eignet es sich jedoch zumeist nicht sehr gut.

Was gar nicht geht: Der Einsatz ohne aktivierte Kantenglättung durch das OS. Bei einigen Fonts wird das Schriftbild durch die fehlende Glättung sehr gestört. Richtig problematisch wird es bei dem Einsatz von Serifen und kursiven Texten, vor allem bei kleinen Schriftgrößen. Dann sind viele Fonts kaum noch lesbar und werden gerne mal regelrecht zerstückelt. Da der Anteil der Systeme ohne jegliches Anti Aliasing im Internet jedoch wohl eher gering ist und in Zukuft weiter sinken wird, kann man über kleinere Probleme in der Darstellung hinweg sehen, insofern der Text trotzdem relativ gut lesbar bleibt.

Ohne Moos nix los
Störend am Trial-Account ist der Badge, der auf jeder Webseite, auf welcher der JS-Code von Typekit eingefügt wird, in der rechten unteren Ecke des Browsers angezeigt wird. Dieser linkt auf eine “Colophon” Webseite, auf der die verwendeten Fonts und Typekit vorgestellt werden. Wer das nicht mag, muss bezahlen.
Den drei weiteren Account-Typen, die allesamt kostenpflichtig sind, werden außerdem gestaffelt weitere Extras hinzugefügt. So lässt sich die Anzahl der verfügbaren Schriften von 69 auf 296 und der Traffic von 5 auf bis zu 100GB pro Monat aufstocken. Da es scheinbar keine Einsicht in den eigenen Trafficverbrauch gibt, kann ich nicht beurteilen, wie “großzügig” die 5GB in dem kostenlosen Programm einzuschätzen sind.
Leider lässt sich der Typekit-Account erst ab einer Investition von 17 USD pro Monat mit dem “Portfolio Plan” für mehr als eine Webseite verwenden, wobei dann auch die Beschränkung von maximal zwei gleichzeitig verwendbaren Fonts aufgehoben wird.
Aus meiner Sicht ist Typekit auf jeden Fall einen Blick wert. Gerade bei größeren Schriftgraden kann man mit ansprechenden Fonts sehr schöne Akzente setzen, die auch in den meisten Fällen gut zur Geltung kommen werden. Typekit lohnt sich vor allem, weil der Einsatz sehr bequem und unkompliziert ist – über lizenzrechtliche Schwierigkeiten und dergleichen muss man sich keinerlei Gedanken machen. Allerdings lässt sich Typekit diese Einfachheit auch etwas kosten: Will man Typekit ohne Werbe-Badge benutzen, muss man monatlich mindestens 7 USD zahlen – je nach eigenen Bedarf sogar bis zu 49 USD.

Dir hat der Artikel gefallen? Dann kannst Du jetzt ganz einfach den
Keine Reaktionen auf "Typekit im Kurztest"
Bisher hat noch niemand diesen Artikel kommentiert. Sei Du der erste!